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Text For The Month / Monatsspruch

Texts for the months of February and March 2012
Monatssprüche für Februar und März 2012

 

Es mag zunächst nicht augenscheinlich sein, wie nahe die zwei Monatssprüche, aus verschiedenen Quellen, inhaltlich zusammen liegen. Der Spruch für März gehört in die Zeit vor Ostern und ist an die Gemeinschaft der Jünger um Jesus gerichtet. Der Spruch für Februar gehört in die Zeit nach Ostern, adressiert an eine junge Gemeinde der Kirche Christi. Beide Sprüche sprechen uns auch heute an, sonst wären sie nicht als Monatsgeleit ausgewählt:

 

März 2012

Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Markus 10,45

Der kleine Kreis um Jesus, Menschen, die er in seine Nachfolge gerufen hatte, nannten ihn Herr und Meister. Sie waren Zeugen seines Wirkens, in dem das Liebesgebot Gottes über allen anderen religiösen Gesetzen und Regeln galt. Zum Ärger der Frommen im Lande setzte er die Barmherzigkeit über die Gesetzestreue, gab Hungrigen am Sabbat zu essen und heilte Kranke, war zu Gast bei den Verachteten und hörte auf das Bitten von Ausländern.

Die Fußwaschung
Die Fußwaschung. Zeichnung von B. Hildebrandt nach einem Glassfenster in Bourges, 13. Jahrhundert.

Unter den Jüngern, Menschen mit großen Erwartungen an ihren Herrn, gab es Spannungen durch Missverständnisse, Rechthaberei und Rangstreit, Hoffnung und Angst, bis hin zur Verleugnung und zum Verrat. Jesus hat sie wiederholt ermahnt. Und trotz allem, was sie mit eigenen Augen gesehen, und mit eigenen Ohren gehört hatten, musste Jesus ihnen doch sagen, was wir im Monatsspruch lesen. Diesen einen Satz kann man als Summe des Evangeliums bezeichnen. Aber was Jesus zur Befreiung der Menschheit auf sich genommen hatte, ging über alles Begreifen. Praktisch und anschaulich hat Jesus den Jüngern das Dienen in der Fußwaschung gezeigt: “Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe” (Joh. 13).

Am Karfreitag waren dann alle, die Jesus zu sich gerufen hatte, weggelaufen und blieben hinter verschlossenen Türen. Einsam ging Jesus den Weg ans Kreuz … Ostern holte der Auferstandene sie zurück und gab ihnen den Auftrag: “Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur” (Markus 16,15).

Dieser Auftrag trifft auch heute alle, die sich zu Christus bekennen; und das Predigen des Evangeliums umfasst beides, Wort und Werk. Ohne echten Dienst am Nächsten bleibt dabei jede Rede eben “Gerede”.

Die Apostelgeschichte berichtet, wie dieser Auftrag auch an Paulus erging, und seine Briefe an die ersten Gemeinden zeigen, wie er diesen Auftrag erfüllte. Dies bringt uns zum nächsten Monatsspruch:

 

Februar 2012

Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. 1. Korinther 10,23-24

Zu diesem Thema schrieb ich bereits im Februar 1996 zu Luthers 450. Todestag:

Ein klassisches Dokument christlich-reformatorischen Denkens ist Martin Luthers Schrift “Von der Freiheit eines Christenmenschen” (1520), in der er Stellung nimmt zu den Thesen: “Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan”. Ein “dienstbarer Knecht” ist jemand, der für die Freiheit des anderen eintritt und um der Liebe willen auf das ihm selbst Erlaubte verzichtet, etwas opfert, als der Schwache, der Dumme, der Demütige erscheint, der gibt, ohne Gegenleistung zu empfangen. Hinter dieser Haltung steht Jesus selbst, der in Freiheit sein Leben hätte behalten können, es aber für unsere schuldige Freiheit opferte bis hin zum Tod.

Die Auslegung von 1996 zeigt auch, wie sehr sich die Relevanz praktischer Beispiele in kurzer Zeit verändern können. Das Angebot einer Zigarette kann heute als Angriff auf die Gesundheit beurteilt werden, doch es gehörte einmal zum guten Ton, in Gesellschaft anderen eine Zigarette anzubieten. Ich schrieb hierzu:

“Alles ist erlaubt”, das hören wir gerne, das kommt unserer Leidenschaft nach Freiheit sehr entgegen. Gleich werden aber auch Grenzen gezogen, denn “nicht alles dient zum Guten”, eine scheinbar freie Handlung kann mich zum Sklaven machen. Der Jammer ist, dass wir dies sehr wohl wissen, aber trotzdem so tun als wüssten wir es nicht. Wenn mir jemand eine Zigarette anbietet und ich sie nehme mit der früher so geläufigen Redewendung “Ich bin so frei”, dann ist das eine Freiheit mit Pferdefuß. Unser tägliches Leben ist voll von Gelegenheiten, wo es uns “erlaubt” ist, zu unserem Guten auch mal ein “Nein” zu sagen, zumal alles, was wir uns “erlauben”, auch eine Wirkung auf unsere Mitmenschen und unsere Umwelt hat…

Here I add a few lines on the theme written in our October 1988 Programme by the Rev. Alan Bruce:

“… For Paul, freedom means one thing only – not total self interest, but total self dedication.

When you listen to Paul talking of liberty you must also hear him talk of the way he comments on his own discipleship in great endurance, in troubles, hardship and distresses, in beatings, imprisonment and riots, in hard work, sleepless nights and hunger! And if that sounds like freedom as most people interpret the word, I’ll eat my hat! …

The freedom we have, in the Spirit, is a freedom to care for our neighbour; a freedom to love the unlovely, to pray over the hopeless; to sacrifice for the greedy. A freedom from sin; a freedom from sin’s reward. Above all to accept the gift of Life, offered to us by the sacrifice of Christ: a freedom to follow Him now and forever”.

Bernd Hildebrandt

 

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