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Text For The Month / Monatsspruch

Christmas card 2013 and text for the month of December 2013
Weihnachtskarte 2013 und Monatsspruch für Dezember 2013

 

Zur Weihnachtskarte 2013

"To us a child is born" by B. HildebrandtMit größtem Interesse waren wochenlang die wachen Augen der Reporter aus aller Welt auf eine Londoner Tür gerichtet, hinter der die Geburt eines Königskindes erwartet wurde. Da lag ein Bild zur Feier der Weihnacht bereits fertig auf meinem Schreibtisch. Der Gegensatz in diesen über 2000 Jahre auseinander liegenden Geburtsgeschichten kann nicht größer sein.

Mir ging es um den Versuch einer Zusammenschau ganz anderer Art, denn die Botschaft der Weihnacht “uns ist ein Kind geboren” ist bei aller Klarheit gleichzeitig in Widersprüche verwickelt, die hier nur angedeutet werden können. Immer, wenn ich zu Weihnachten einen Gedanken ins Bild setzte, war es eine Herausforderung, der ich mich nicht entziehen wollte; war es doch meine persönliche Möglichkeit, in dieser Festzeit eine Kommunikation mit Mitmenschen offen zu halten.

Ein unübersehbar populäres Image auf Weihnachtskarten, die im englischen Kulturraum oft einem Geschenk noch vorrangig sind, war schon immer die Darstellung der heiligen drei Könige. Und wenn ich mal jemanden nach einer Anregung für ein neues Motiv fragte, wurden immer und ausschließlich die bereits erwähnten Könige genannt.

Die Verehrung des Jesuskindes in Matthäus 2, durch die königlichen Weisen oder weisen Könige, den traditionell heidnischen Würdenträgern aus der damals bekannten Umwelt, hat keine Parallelstelle in den christlichen Schriften des 1. Jahrhunderts. Ob es eine ausgeschmückte, ja überhaupt wahre Begebenheit war, bleibt unbeantwortet. Doch selbst wenn es ein literarisches Kunstwerk ist, das der Evangelist absichtlich hier in die Heilsgeschichte einfließen lässt, zu Weihnachten und Epiphanias wird es gern kritiklos entgegen genommen. Betont es doch die Erfahrung, dass Menschen von weit her und auf verschiedenen Wegen zur Anbetung des Heilands geführt werden. Mit Dankbarkeit wird das überwältigende Ereignis der Menschwerdung Gottes unterstrichen, das durch Geburt, Erdenwandel, Tod und Auferstehung der Welt Erlösung bringt.

Gern nehmen wir den Stern von Bethlehem in unsere Weihnachtsfeiern und machen uns keine Gedanken darüber, welches astronomische Ereignis diesem Licht zuzuschreiben ist. Die weisen Könige sind Sinnbild der Suchenden unter uns Menschen, und sie finden Gott. Sie diskutieren nicht, drängen nicht auf Erklärung des Unerklärbaren, schielen nicht auf Vorteile, sondern ergeben sich ehrfurchtsvoll dem heiligen Wunder. Ich erlaubte mir im Bild einem König eine Weltkugel in die Hand zu geben als Sinnbild des Verzichtes auf weltliche Macht, an der Herrscher erfahrungsgemäß all zu oft mit Gewalt folgenschwer festhalten.

Mein anderer Beweggrund für das Bild ist herausgehoben aus Quellen endloser Möglichkeiten. Da schöpfe ich mit einem Fingerhut aus einem unerschöpflichen Gedankenmeer. In einem Buch mit Beispielen moderner Schriftkunst, fielen mir die schlicht, doch eindrucksvoll gestalteten Worte “puer natus est nobis” ins Auge, und nach der Bezeichnung “Weihnachtsgrüße” war ich mit der Übersetzung “uns ist ein Kind geboren” bereits mitten in einer großen Vision des Propheten Jesaja:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und denen die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst (Jesaja 9).

Zur Zeit Jesu waren diese über 700 Jahre alten Prophetenworte in Israel wohl bekannt, doch man sah sie nicht erfüllt. Die für einen irdischen Herrscher erwarteten Ehrentitel erachtete Israel keinem seiner großen Könige würdig. Die auf die Propheten gegründeten Glaubenserwartungen an ihren Gott wurden zwar weiter artikuliert, doch an der Geburt Jesu gingen diese großartigen Visionen unbeachtet vorbei. Dass einem erwählten Boten Gottes Menschwerdung offenbart wurde, ging über alles Begreifen. So stand sie auch im Widerspruch, in höchster Spannung zu dem Kind in der Krippe, zu dem verlassenen Mann am Kreuz und dem auferstandenen Christus.

Wenn wir nun trotz dem Zeichen, dem widersprochen wird, Weihnachten feiern, dann ist uns gezeigt, dass das “puer natus est nobis” aus der alttestamentlichen Überlieferung immer wieder neu zitiert und interpretiert wird und uns als geradezu grenzenlose Erwartung des Glaubens weiterhin begleitet. Ein Ausflug in die Musik, vom Gregorianischen Choral über unsere Weihnachtslieder zu den Werken der großen Komponisten, bringt uns das “puer natus est nobis” in besonderer Vielfalt nah. In meiner bildlichen Gestaltung weist an Stelle des Propheten ein Engel auf diese Verheißung hin.

“Pro nobis - für uns”, ist das Fazit dieser Betrachtung, so wie es Hermann Hesse im Gedicht sagt:

Immer wieder wird er Mensch geboren,
spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muss er einsam ragen,
aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

Immer wieder will sich Gott verkünden,
will das Himmlische ins Tal der Sünden,
will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
unsern Ängsten, Träumen, Fragen, Klagen
mit dem stillen Blicke zu begegnen,
den wir doch nicht zu erwidern wagen,
weil nur Kinderaugen ihn ertragen.

Bernd Hildebrandt

 

 

December 2013

In him was life, and that life was the light of men. John 1.4

 

 

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